Alpha Protocol

Alpha Protocol Test / Review

Nach diversen Nachfolgern zu etablierten Spieleserien liefert Obsidian Entertainment erstmals einen komplett eigenständigen Titel ab. Doch obwohl man es ob seines ambitioniertes Strebens lieben möchte, macht Alpha Protocol aufgrund von Bugs, unbeholfenem Gameplay und mässiger Präsentation schlicht nicht immer Spass.

Es ist leicht zu sehen, was Alpha Protocol hätte sein können. Das Spionage-Rollenspiel bringt frischen Wind in ein Genre dominiert von Fantasy- und Sci-Fi-Settings und die Wege, wie die dynamische Handlung massgeblich von euren Entscheidungen geprägt wird, ist zweifellos das Glanzstück des Spiels. Leider scheinen die restlichen Aspekte nicht die selbe Aufmerksamkeit und Sorgfalt genossen zu haben. Ungenaue und schlecht balancierte Waffen machen Feuergefechte zu einer unbefriedigenden Angelegenheit, während ein subtileres Vorgehen als unsichtbarer Infiltrierer an fehlenden Stealth-Mechanismen und einer unvorhersehbaren künstlichen Intelligenz scheitert. Zwar lässt es sich nach einer Weile über die zahlreichen Schwächen hinwegsehen und an den guten Momenten erfreuen, doch ein fader Beigeschmack begleitet einen leider das gesamte Spiel hindurch.

Das grösste Kompliment darf der Geschichte von Alpha Protocol gemacht werden oder genauer gesagt, wie dynamisch und unscheinbar ihr Einfluss auf deren Verlauf haben könnt. Als neuester Rekrut in einer top-geheimen Regierungsorganisation namens "Alpha Protocol" findet man sich in der Haut von Agent Michael Thorton wieder, dessen erster Auftrag ihn in den Mittleren Osten schickt. Er soll eine Terrorzelle, welche wenige Tage zuvor ein Passagierflugzeug abschoss, ausfindig machen und dessen Anführer eliminieren. Als die vermeindliche Routinemission eine ungeahnte Wendung nimmt, wird Thorton aber von seinem Arbeitgeber fallengelassen und als potentielle Gefahr zum Staatsfeind erklärt. Fortan auf sich alleine gestellt, versucht er auf eigene Faust die Machenschaften eines Rüstungsunternehmens aufzudecken, deren Pläne ihn nach Moskau, Rom und Taipei führen.

Die Story ist gespickt mit typischen Spionage-Klischees, verschiedenen Geheimagenturen, Doppelagenten und Verrätern, die eine gute Spannung garantieren. Nach einer Weile fällt es aber ob der vielen Charaktere und Parteien etwas schwer, sämtliche Ereignisse und Beziehungen auf Anhieb zu begreifen und das Spiel geht zu wenig auf die Figuren ein, um sich wirklich um deren Schicksal zu sorgen. Das Ende verliert sich denn auch ein wenig im verstrickten Netz von Verschwörungen und Verrätern und scheint  vor allem darauf bedacht, die Geschichte irgendwie abzuschliessen, als wirkliche Emotionen aufkommen zu lassen. Faszinierend ist jedoch die Weise, in der Thortons Handeln und Auftreten kleine und grosse Auswirkungen mit sich bringen und das Spiel versteht es, diese Einflüsse offensichtlich aber nicht über die Masse künstlich und mechanisch darzulegen, sondern subtil und nahtlos in die guten Dialoge mit einzubauen.

An vielen Stellen offerieren euch Unterhaltungen mit Freunden aber auch Feinden verschiedene Möglichkeiten, sein Gegenüber zu beeinflussen. Ein charmanter Gentlement mag eine Schönheit mit Komplimenten verführen, trockener Humor lockert eine angespannte Situation etwas und professionelles Vorgehen beeindruckt vielleicht den Chef. Ein knappes Zeitlimit verhindert, dass man unbegrenzt über das Für und Wider seiner Antworten brüten kann, was eine ungeheure Dynamik in die Dialoge bringt, auch wenn man manche Entscheidungen oft gerne im letzten Moment nochmals vergeblich zu ändern versucht. Nebst direkten Gesprächen kann aber auch der Email-Verkehr ausschlaggebend sein, während manches Szenario euch offen vor schwerwiegende Entscheidungen stellt. Zwar gibt es nie ein richtiges oder falsches Vorgehen, doch ein Sympathieträger bekommt oft ungeahnte Unterstützung in schwierigen Missionen, welche verschiedene Szenarien ganz unterschiedlich gestalten können und den Ausgang des Spiels prägen.

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Game Info

  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Obsidian
  • Publisher: Sega
  • Spieler offline: 1
  • Releasedatum: 02.06.2010 (erschienen)

  • 1080p Modus: Nein
  • Sixaxis Support: Nein
  • Teilinstallation auf Festplate: Ja
  • Grösse der Installation: 2885 MB

Leserwertung

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