
Heavy Rain
Heavy Rain Test / Review
Man sollte sich von Beginn weg über eines im Klaren sein: Heavy Rain ist kein Spiel im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr ein interaktives Erlebnis und ein kontrollierbarer Ausflug in die Psychen von vier Protagonisten. Selbst die Genre-Zuordnung "Adventure" ist deshalb nur in begrenztem Masse treffend.
Wer sich von der obigen Beschreibung schon abschrecken lässt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten Spielstunde sein PS3-Pad gelangweilt zur Seite legen. Und um es in aller Deutlichkeit gesagt zu haben: Heavy Rain startet äusserst gemächlich und nimmt selbst in den rasanteren Sequenzen keinesfalls die Form eines bleihaltigen Action-Krachers an. Trotzdem ist der Titel meilenweit davon entfernt, in die Sparte "langweilig" zu fallen. Im Gegenteil: Liegen die einleitenden Spielkapitel hinter einem, wird man förmlich vor den TV gefesselt und verlässt diesen Platz nur noch freiwillig, wenn der Abspann über den Bildschirm geflimmert ist.
Wieso das Spiel eine derart mitreissende Atmosphäre aufbauen kann, ist nur schwer in Worte zu fassen. Fakt ist, dass man als Spieler innert kürzester Zeit (sprich im Laufe der einleitenden Kapitel) förmlich ins Spiel gesogen wird und sich – ohne es eigentlich bewusst wahrzunehmen – mit den vier zentralen Charakteren zu identifizieren beginnt. Insbesondere der zögerliche Beginn von Heavy Rain ist für die Entwickler ein Mittel zum Zweck und zwingt den Spieler förmlich dazu, sich eigenhändig mit dem Leben und der Gefühlswelt der Protagonisten vertraut zu machen. Die auf den ersten Blick sinnfreien und dem eigentlichen Ziel des Vorankommens kaum förderlichen Alltagstätigkeiten erweisen sich dabei als erstklassiger Kunstgriff, euch langsam aber sicher mit dem Heavy Rain Virus zu infizieren.
Dieser anfängliche Zwang zur Trivialität wird mit Sicherheit viele Spieler abschrecken. Dies insofern bedauerlich, da die Geschichte nach den ersten zwei Spielstunden relativ schnell in Fahrt kommt und innerhalb von zwei Spielkapiteln zu einem echten Thriller mutiert. Ich möchte an dieser Stelle aus wohl verständlichen Gründen keinerlei Einzelheiten zur Hintergrundgeschichte preisgeben. Es sei nur so viel verraten: Die Jagd nach dem Origami-Killer entpuppt sich spätestens beim ersten Zusammentreffen einzelner Erzählstränge als perfekt aufgebauter und inszenierter Thriller, der ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren bei den regelmässigen Kinogängern Erinnerungen an den ein oder anderen Leinwand-Hit wecken wird. Wer etwas mehr Informationen zu den vier "Hauptdarstellern" und der Story wünscht, sollte einen Blick in unser Preview werfen.
Ein weiterer Punkt, der Heavy Rain auch von den typischen Adventure-Games abhebt, ist das komplette Fehlen einer Möglichkeit zu scheitern. Egal wie ihr euch in den Quick Time Sequenzen schlagt oder welche Entscheidungen ihr trefft – die Geschichte von Heavy Rain geht weiter. Trotzdem haben eure Aktionen einen (mehr oder weniger) direkten Einfluss auf den weiteren Verlauf des Spiels. Dies geht so weit, dass selbst der Tod einer der vier Hauptcharaktere nicht das Ende des Spiels bedeutet! Als (Spoiler freies) Beispiel kann ich eine Fluchtsequenz nennen: Werdet ihr von euren Jägern gefasst, folgt ein Verhör, welches ihr interessanterweise aus der Perspektive eines anderen Charakters erlebt und wiederum einen tieferen Einblick in dessen Umfeld gibt. Könnt ihr entkommen, nimmt die Geschichte einen deutlich direkteren Verlauf, ihr verpasst dadurch aber das komplette Verhör-Kapitel. Selbstverständlich wirken sich nicht alle Entscheidungen gleich stark auf die kommenden Entwicklungen aus.
Game Info
- Genre: Adventure
- Entwickler: Quantic Dream
- Publisher: SCEE
- Spieler offline: 1
- Releasedatum: 24.02.2010 (erschienen)
- 1080p Modus: Ja
- 4:3 Anpassung: Balken
- Sixaxis Support: Ja
- Teilinstallation auf Festplate: Ja
- Grösse der Installation: 2500 MB




