
Rise of the Argonauts
Rise of the Argonauts Test / Review
Dass die fantasiereichen Sagen der griechischen Antike eine ideale Inspirationsquelle für die Unterhaltungsindustrie bieten, wissen wir spätestens seit Sonys höchst erfolgreicher God of War-Reihe, doch bereits in den 60ern bannten Filmemacher epische Abenteuer wie jene von Jason und seinen Argonauten auf Zelluloid. Genau jenes Epos will Codemasters nun - mit etwas kreativem Freiraum - wieder auferstehen lassen, doch eine mässige Präsentation und schlechtes Pacing verwehren den Aufstieg in den Spieleolymp.
Der Vergleich mit Kratos' Rachefeldzug mag zunächst auf der Hand liegen, doch die Gemeinsamkeiten beginnen und enden im familiären Setting der griechischen Gottheiten und Mythen, welchen Rise of the Argonauts mit deutlich mehr Treue zu den ursprünglichen Erzählungen folgt, auch wenn einige Passagen an entscheidender Stelle umgeschrieben wurden. Das Spiel eröffnet mit den Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Jason, dem Herrscher über die kleine Insel Iolkos und dessen Verlobten Alkmene, doch noch bevor das Brautpaar den ewigen Bund eingehen kann, wird Jasons Gattin in Spe ermordet. Den tragischen Schicksalsschlag nicht hinnehmend, macht sich Jason an Bord der Argo auf, das sagenumwobene Goldene Vlies zu finden, welches den Legenden nach die Macht haben soll, die Toten wiederzuerwecken. Selbstredend haben die Attentäter kein Interesse am Wiederauferstehen der jungen Prinzessin, doch deren dunkle Magie und List sollen nicht die einzigen Hindernisse sein, denen sich der König auf seiner Reise stellen muss.
Die Handlung des Spiels nimmt einen überraschend hohen Stellenwert ein, was in diesem Fall leider zum zweischneidigen Schwert wird. Rise of the Argonauts versteht es durchaus, eine glaubwürdige, interessante Welt zu kreieren, in der antike Gottheiten, Helden und Fabelwesen wie Satyren und Minotauren so alltäglich scheinen wie Zähne putzen und Nachmittagstalkshows. Um diese Welt zu etablieren, verbringt ihr allerdings einen Grossteil der Spielzeit in ausgedehnten Konversationen und detailverliebten Ausführungen über Ursprünge und Hintergründe verschiedenster Personen und Ereignisse. Die Dialoge an sich sind zumeist durchaus erträglich und wer will, kann die Details per Knopfdruck einfach überspringen, doch mitunter verbringt Jason eine gute Stunde allein mit gemütlichen Schwätzchen unterbrochen von längeren Spaziergängen bis zum nächsten Gesprächspartner, bis man sehnlichst ein paar Gegner herbeiwünscht, um zur Abwechslung die Waffen sprechen lassen zu dürfen.
Schlimmster Übeltäter in dieser Beziehung ist aber die grässliche, deutsche Synchronisation und wer kann, sollte definitiv auf die englischen Originalstimmen zurückgreifen. Sind die Sprachkenntnisse nicht ausreichend, muss man sich auf oft lustlose, insbesondere im Fall des hünenhaften Herkules unpassende Sprachtalente einstellen. Gravierender ist hier jedoch die miserable Tonqualität der Dialoge, die fast ausnahmslos klingt, als sässen die armen Sprecher eingekerkert hinter einem Zentimeter dickem Panzerglas. Da hilft es denn auch wenig, dass die übrige Soundkulisse durchaus ansprechend ist, vom metallenen Klang wenn euer Schwert auf den Schild des Gegners trifft, bis hin zu einem gelungenen Soundtrack von 300 Komponist Tyler Bates, der die gelegentlich aufkommende, epische Stimmung gut einzufangen weiss.
Game Info
- Genre: Rollenspiel
- Entwickler: Liquid Entertainment
- Publisher: Codemasters
- Spieler offline: 1
- Releasedatum: 12.12.2008 (erschienen)
- 1080p Modus: Nein
- 4:3 Anpassung: Vollbild
- Sixaxis Support: Nein
- Teilinstallation auf Festplate: Ja
- Grösse der Installation: 3653 MB




